Eine ganz besondere Geburt – Nach dem Krebs zurück ins Leben

In unserem Krankenhaus freuen wir uns über jeden kleinen Erdenbürger, dem wir auf die Welt helfen können. Vor kurzem nun durften wir eine besondere Geburt begleiten. Ein kleines Mädchen erblickte das Licht der Welt.

Für die Eltern hat sich damit ihr größter Wunsch erfüllt, nachdem ein schwerer Schicksalsschlag sie traf. Bereits mit 32 Jahren erkrankte die Mutter an Brustkrebs und musste sich mehreren Operationen (Brustamputation, Wiederaufbau der Brust) und einer Chemotherapie unterziehen. Insbesondere die Chemotherapie ist eine Belastung für die Körper der Betroffenen, denn sie greift in die Zellteilung ein und schadet dabei nicht ausschließlich den Krebszellen, sondern auch den gesunden Zellen anderer Gewebe. Bei Frauen können Eizellen und Eierstockgewebe davon stark betroffen sein und teilweise vollständig zerstört werden. Für Frauen im gebärfähigen Alter mit Kinderwunsch sind daher fruchtbarkeitschützende Maßnahmen erforderlich.

Dazu gehört beispielsweise die Entnahme von Eizellen zur Kryokonservierung: Dieses Verfahren hat für Krebspatientinnen jedoch einige Nachteile. Zum einen wird Zeit für die Gewinnung der Eizellen benötigt, womit sich der Beginn der notwendigen Chemotherapie verzögert. Zum anderen sind die Eizellen nicht so lange haltbar, wie man es in einigen Fällen benötigt. Denn häufig sind langjährige Hormontherapien zur erfolgreichen Krebsbehandlung erforderlich. Aus den genannten Gründen kam dieses Verfahren für unsere Patientin nicht infrage.

Hier entschieden sich die behandelnden Ärzte und die Patientin für eine Eierstocktransplantation. Der Patientin wurden Teile des Eierstocks entnommen, kryokonserviert und nach überstandener Krebserkrankung retransplantiert. Dieses Verfahren wenden die Expert*innen des Gynäkologischen Krebszentrums des Universitätsklinikums Ruppin-Brandenburg (UKRB) in Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik Erlangen seit etwa sechs Jahren an. Das Eierstockgewebe wird mikrochirurgisch vor Beginn der Chemotherapie entnommen und nach der Krebstherapie wieder ins Bauchfell eingepflanzt. So ist ohne weitere Maßnahmen (wie Hormontherapien) ein Wiedereinsetzen der Eierstockfunktion erreichbar. Ziel der Behandlung ist es, die natürliche Empfängnis/Spontanschwangerschaften wieder zu ermöglichen. Weltweit sind nach und aufgrund einer Eierstocktransplantation erst wenige hundert Kinder entbunden worden. Eines davon ist nun unser besonderes kleines Baby.

Der Chefarzt des Zentrums, Dr. Bernd Christensen, ist Facharzt für Gynäkologie mit einem Schwerpunkt in Reproduktionsmedizin: „Ich bin stolz und glücklich, dass wir in unserem Krankenhaus eine so seltene Behandlungsmethode anbieten und neues Leben nach einer Krebserkrankung ermöglichen können“, erklärt er. Und besonders freut ihn, dass nach all den Unbillen des Schicksals die kleine Familie in diesem Jahr nicht nur den Geburtstag des neuesten Familienmitgliedes, sondern auch Hochzeit feiert.

Information: Fruchtbarkeitsschützende Behandlungen sind wesentlicher Bestandteil der umfassenden Therapie und Betreuung von Krebspatientinnen im Gynäkologischen Krebszentrum des UKRB. Das zertifizierte Zentrum ist Mitglied des Netzwerkes FertiPROTEKT. Hier haben sich Universitätskliniken, Praxen und weitere Partner zusammengeschlossen, um u. a. Krebspatientinnen und -patienten nach neuesten und gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen hinsichtlich ihrer Fruchtbarkeit zu beraten und zu behandeln.


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